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Orangerie
 
Die Orangerie am Börlner Schloss weist viele Ähnlichkeiten zu der berühmten Orangerie in Oranienburg auf, insb. ein Walmdach und vor allem die viereckige Form der Stukkateur. Eine kurze Beschreibung von der Oranienburg-Orangerie ist auf dieser Seite nachzulesen.
 
Das Baujahr konnte bisher nicht genau festgestellt werden. Betrachtet man dann auch noch die Flurkarte von 1807 so ist kein Gebäude ersichtlich. Im Jahre 1879 stand die Orangerie aber schon.
 
Die Orangerie wurde 1945 durch den Schlossgärtner Hennig bewirtschaftet, später dann von der LPG. Als die Öfen noch vorhanden waren, wurden Birkenbäume im April für den 1. Mai von Herrn Finsterbusch warm gestellt, da diese dort eher grün wurden als in der Natur. Damals musste jedes Haus am 1. Mai ein Bäumchen vor der Tür stehen haben. Ein Teil wurde als Wohnung ausgebaut, den anderen Teil nutzte die Schule ab 1972 für den UTP (Unterricht in der Produktion) als Kabinett. Der zuständige Lehrer war Herr Dipl.-Ing. Siegmar Schwenke.
 
Heute ist die Orangerie in einem sehr schlechten Zustand, nachdem es für viele Jahre, da die Eigentümerin nicht bekannt war, als Lagerraum für Pferdesportgegenstände benutzt wurde. Außerdem wurden durch Vandalismus alle Fensterscheiben zerstört. Herr Hinkel hat mit Hilfe von Herrn Gey (+ 2010), Sohn des ehem. Gutspächters, der mit der Gärtnerfamilie Hennig noch befreundet war, nachgeforscht und es stellte sich heraus dass die Orangerie einer Erbin, Nichte des Ehepaares Hennig gehörte. Sie wusste zuerst selbst nicht, dass sie es geerbt hatte. Herr Hinkel konnte es von ihr abkaufen.
 
Die Orangerie sollte im Jahre 2007/8 restauriert werden. Die zugesagten Fördermittel wurden jedoch plötzlich aufgrund einer Beschwerde so gut wie gestrichen. Aufgrund dieser Beschwerde wurde für die nächsten 12 Jahre jeglicher Gaststättenbetrieb seitens der Behörden untersagt, da diese davon ausgehen, dass hier in Konkurrenz getreten wird zu anderen gastronomischen Einrichtungen in der Umgebung. Somit wurde ein wundervolles Gartenkunstkonzept, welches im Einklang mit Gastronomie, Kultur und Architektur geschaffen werden sollte einfach vernichtet. Letzendlich war die geplante Nutzung als Gartenkunstzentrum nicht mehr machbar und die Planungskosten und Baugenehmigungen waren somit umsonst gewesen.
 
Das originale Nutzungskonzept als Orangerie-Gewächshaus ist wieder aktuell.
 
                              
Schloss, Orangerie, Kirche, ca. 1950  Orangerie mit Walmdach sichtbar     Orangerie (die Hälfte als Wohnung eingebaut)
 
 
Europäische Orangerie-Geschichte
 
Ab dem 16. Jahrhundert kamen an den europäischen Fürstenhöfen Sammlungen von Orangen- und anderen Zitrusbäumen in Mode. Ein solcher Baumbestand wurde sinnfällig Orangerie genannt, der Begriff galt also allein den Bäumen. Anfangs waren die Orangerien noch ortsgebunden, weil die Bäume im Boden wurzelten, mit der Einführung des Pflanzkübels jedoch wurden sie ortsveränderlich. Der technische Durchbruch kam mit der Erfindung des Kübel-Transportwagens durch Andre le Notre (1613-1700), dem Gärtner von Versailles.
 
Orangerien dienten sowohl Zier- und Repräsentationszwecken als auch der Befriedigung des steigenden Bedürfnisses der Fürstenhöfe nach exotischen und insbesondere Zitrusfrüchten. Der Zitrusbaum eignete sich hervorragend als Repräsentationsobjekt, weil sich mit ihm zum einen mannigfache mythologische Verknüpfungen herstellen ließen und weil er zum anderen weitgereist und daher sehr teuer war.
 
Die immergrünen, gleichzeitig Früchte und Blüten tragenden Zitrusbäumchen wurden wegen ihres Duftes und Symbolgehaltes zu den beliebtesten Pflanzen in den architektonischen Garten des Barock gewählt.
 
Vor allem die festverwurzelten Orangerien bedurften eines unmittelbar neben der Anpflanzung gelegenen Wintergartens, in dem die mit dem gesamten Wurzelstock ausgegrabenen Bäumchen überwintern konnten. Solche Orangeriegebäude wurden bald auch selbst als Orangerie bezeichnet und im heutigen Sprachgebrauch ist die Verwendung dieses Wortes als einziges bekannt.
 
Zunehmend wurden nicht nur Zitrusbäumchen, sondern auch andere exotische Pflanzen zur Repräsentation zur Zier gehalten, so zum Beispiel Ananas und Feigen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts (in Deutschland später) kam die Orangenzucht aus der Mode, und die gärtnerische Funktion der Orangeriegebäude ging an die Palmenhäuser des 19. Jahrhunderts über. Da der moderne Denkmalschutz der Orangerie als eigenem gartengestalterischem Typ zunehmend Aufmerksamkeit schenkt, wurden viele ehemalige Orangerien inzwischen restauriert oder wieder errichtet.
 
Orangerie in Oranienburg
 
Die Orangerie in Oranienburg wurde 1812 bis 1818 von Carlo Ignazio Pozzi am südlichen Rand des Parks errichtet. Sie ist mit 178 Metern eine der längsten Orangerien Europas, und wird seither ohne Unterbrechung zur Unterbringung des reichen Bestandes an Zitruspflanzen genutzt. Im Mittelteil des Orangeriegebäudes befanden sich vier Wohnungen für die Gärtner die mit der Pflege des ursprünglich barock angelegten Gartens betraut waren.